Terra Preta in Theorie und Praxis mit der Biowerkstatt

Vom 24. bis 25. März 2012 findet auf Hof Luna in Everode, Landkreis Hildesheim, ein Workshop zu Terra Preta in Theorie und Praxis statt.

Terra Preta ist portugiesisch und bedeutet “schwarze Erde”.

Dieser sehr fruchtbare Humusboden entsteht in der Natur nicht ohne gezieltes Einwirken von Menschen. Im Unterschied zur Kompostierung werden mit der Terra Preta die Voraussetzungen geschaffen, dass Verluste insbesondere an Kohlenstoff reduziert und die zugeführten organischen Stoffe durch die Bodenlebewesen optimal verwertet werden können.

Weiterführende Links

Genaue Informationen finden sich in der Einladung (pdf-Datei klicken).

Hof Luna in Everode.

Biowerkstatt Bildung und Projekte in Hannover

Terra Preta in der Wandelwerte-Berichterstattung.

Das Konsumverhalten an Nachhaltigkeit ausrichten


Ergänzung zum Veranstaltungstipp ”Unser täglich Öl“,  27.02.2011, 11:00 Uhr, eine Bildungs-Matinee im Foyer des Schauspielhauses Hannover:

Das gewählte Thema in allen Facetten zu beleuchten, Ursachen zu benennen und Lösungen für die Gesellschaft von heute zu finden, hätte einen mehrtägigen Kongress erfordert.

Denn es galt, den Bogen von den Ursprüngen des “Jagen und Sammelns” über die Bandkeramische Kultur zu spannen, im Industriezeitalter zu landen, den Weg in die industrielle Grüne Revolution zu finden und schließlich den Bodenverzehr und Energieverbrauch für die Massentierhaltung zu beschreiben – reichlich Stoff für zwei Stunden Vortrag und Diskussion.

“Unser täglich Öl” vermittelte den Hintergrund für das, was im Theaterstück “Unternehmen Hunger” gezeigt werden soll, z.B.:

* Düngemittel, überwiegend aus Erdgas produziert, oxidiert und verstärkt den Treibhauseffekt.

* Die Gewaltsamkeit der Agrarproduktion durch Landnahme.

* Ackerbau und Viehzucht, insbesondere von den industriellen Methoden der vergangenen zwanzig Jahre verschärft,  haben den Menschen domestiziert - und nicht umgekehrt. Die Menschheit wird in Geiselhaft genommen.

* Wenn organische Masse oxidiert, treibt das den Klimawandel an. Deshalb ist die Erschöpfung der Ackerflächen eine Ursache für klimatische Umwälzungen: Drei bis vier Meter Mutterboden wurden in den Agrarstaaten in den vergangenen 150 Jahren verbraucht, was zur Klimaveränderung beigetragen hat – erkennbar anhand der Eisenbahnlinien, die höher als die Äcker liegen.

* Durch das Konsumverhalten und den Abbau von Ressourcen entstand die Abhängigkeit unserer Gesellschaft von hohen Verbräuchen. “Brot und Spiele” lenken von den elementaren Fehlentwicklungen ab: Die Lebensgrundlagen werden zerstört, ohne dass diese Tatsache einer breiten Öffentlichkeit bekannt wird.

Lösungen bestehen darin, den Stirb und Werde-Prozessen der Natur zu folgen und das Konsumverhalten an Nachhaltigkeit auszurichten. Konsumiert wird, was nach Verwendung, Genuss und Ernährung einen neuen Rohstoff zur Verfügung stellt.

Die Produktion von Gegenständen und Lebensmitteln liefert künftig nur noch Stoffe, die

* entweder dem Erdboden zugeführt

* oder im stofflichen Kreislauf gehalten werden.

Energetische Verwertung (= Verbrennung), Endlagerung in Deponien, weite Transportwege scheiden als Lösung aus.

Es gilt das “cradle to cradle“-Prinzip, das auch Wandelwerte verfolgt und die Revolution der neuen Genügsamkeit, die von der weltweiten Transition Towns-Bewegung ausgeht.

Ein Blick auf den derzeitigen Zustand des Wirtschaftens zeigt, dass bisher nur Ansätze für Lösungswege erkennbar sind. Um die Ziele zu erreichen, ist es wichtig, unermüdlich und mit einem wachsenden Kreis von Mitstreitern an einer Verbesserung der Situation zu arbeiten.

Küchengärten Limmer starten mit ersten Öffnungszeiten im Februar


Filmtipp 3sat: Food, Inc., Sonntag 13.02., 22:10 Uhr

Die Fernsehanstalt 3sat, zeigt den Film

Food, Inc. – Was essen wir wirklich?

http://www.3sat.de/page/?source=/ard/sendung/151494/index.html

Der amerikanische Lebensmittelmarkt wird anhand von Beispielen analysiert.

Das ist ein Wandelwerte-Thema, weil unser Konsumverhalten die Produktion von Lebensmitteln beeinflusst.

Denn erst industrielle Landwirtschaft auf Basis von Erdöl und dem Raubbau an Natur, Umwelt, Mitwelt, ermöglichte den Lebensstandard, den wir heute kennen und wie selbstverständlich genießen.

Schwierige Balance zwischen Hungerbekämpfung und Umweltzerstörung

Hätte es die explosionsartige Steigerung der Produktion, den Raubbau am Regenwald, Einsatz von Insektenvernichtungsmitteln, Gensaat, nicht gegeben, müssten wir heute mit massiv höheren Preisen bei Lebensmitteln umgehen, insbesondere für Fleisch.

Der Anbau von Sojabohnen in Südamerika ist eine Ursachen für die Abholzung des tropischen Regenwaldes in Südamerika. Das beschreibt auch ein Spiegel-Online Bericht von 2006: Die Gier nach Soja frisst den Regenwald.

Historisch niedrige Endbestände an Sojabohnen in den USA unterstreichen, dass zur Sicherstellung der weltweiten Versorgung die großen Ernten in Südamerika (52 Prozent der Weltproduktion) dringend gebraucht werden.

Hier sehen Sie die Entwicklung der Weltjahresproduktion von Sojabohnen seit 1980.

Sojabohnen Weltproduktion
Quelle: RSG Partner GmbH, Freising, The Hightower Report

Die Produktion von Sojabohnen, wichtigste Grundlage für Viehfutter, eilt von Jahr zu Jahr zu neuen Rekorden. Der Hunger nach den Bohnen erscheint unermesslich – und das bei ausgelaugten Böden, die nur noch mit Hilfe von extremem Einsatz von Düngemitteln und Gentechnik die erforderlichen Erträge liefern. Fruchtbare, schwarze Erde gibt es in Europa nur noch in gefährdeten Insellagen.

Dabei steht China mit seiner Nachfrage im Vordergrund. Das Land kann seit 1996 seinen Bedarf an Sojabohnen nicht mehr selbst decken und muss importieren. Die Einfuhr von Sojabohnen erhöhte das Land in den vergangenen zehn Jahren um rund 330 Prozent.

Dieser Zusammenhang wurde auch von der chinesischen Führung erkennt, so dass dort die Zinsen erhöht wurden, um das Wachstum auszubremsen und eine Konsolidierung einzuleiten. Ob das ausreicht, bleibt offen.

Preisausschläge signalisieren die Verknappungstendenzen

Bei unveränderten Konsumgewohnheiten, auch in den westlichen Industrieländern, droht angesichts der Wachstumsraten der Verbräuche (= Wachstum der Weltbevölkerung und Wirtschaftswachstum) langfristig ein Kollaps. Sollte es 2011 erneut Missernten geben, könnten die Preise explodieren und einen ersten Vorgeschmack dazu liefern.

Wegen der Ereignisse von 2010 (Torfbrände in Russland, El Niño-Effekte auf der Südhalbkugel der Erde), hat sich die Preissituation angespannt.

Beispiele für Preisveränderungen in den vergangenen zwölf Monaten:

in Euro

Mais + 72 Prozent

Weizen + 100 Prozent

Rapssaat + 57 Prozent

Kartoffeln + 94 Prozent

in US-Dollar

Sojaschrot (Viehfutter) + 52 Prozent

Weitere Wetterkapriolen würden die Spekulationsfreude an den Börsen anfeuern und die Preise weiter kräftig steigen lassen.

Allerdings gilt das auch im umgekehrten Fall: Sollten Ernten weltweit planmäßig und üppig verlaufen, würde die aktuelle Spekulation in sich zusammenfallen – verbunden mit einer möglichen Halbierung der Preise. Das könnte  die Abholzung des Regenwaldes vorübergehend bremsen. Aber angesichts des Klimawandels und aufgrund der maroden Bodenverhältnisse ist es wahrscheinlicher, dass die Angebotssituation künftig angespannt bleibt und die Preisausschläge an den Warenterminmärkten weitergehen.

Gartenarbeit als Bildungsveranstaltung

Um so mehr erscheint es wichtig, regionale Versorungsstrukturen aufzubauen und Alternativen aufzuzeigen. Mit einem Lebens-WANDEL in den Städten und veränderten Konsumgewohnheiten (z.B. Prüfung des Fleischkonsums) reduzieren wir den Verbauch von regenwaldschädlichen Produkten und verringern die Abhängigkeit von Importen.

Das dient auch dem Selbstschutz: Die Widerstandskraft einer Stadt gegenüber externen Krisen entscheidet, mit welcher Geschwindigkeit sie bei Versorgungsenpässen vor die Wand fährt oder ob ein rechtzeitiges Bremsmanöver Schlimmeres verhindert. Ziel ist es, ein hohes Maß an Resilienz anzustreben (vergl. Eduard Pestel Institut für Systemforschung mit der Untersuchung der regionalen Krisenfestigkeit in Deutschland).

Insbesondere in den Städten wird jeder Quadratmeter benötigt, um Anbauflächen zu nutzen, bzw. auf brach liegenden alten Flächen nach dem Muster der Prinzessinnengärten in Berlin herzustellen, um die Versorgung der Bevölkerung zu unterstützen.

Deshalb beteiligt sich Wandelwerte an einem Projekt des gemeinnützigen Vereins Transition Town Hannover: Es entstehen die “Küchengärten Limmer” (kügäli) auf dem südlichen ehemaligen Parkplatz der Continental-Werke und heutigen Grundstück der Wasserstadt | Google Maps.

Wunstorfer Straße 135, bitte beachten Sie die Leit-Beschilderung vor Ort, besonders zur kalten Jahreszeit:

Termine, Öffnungs- und Sprechzeiten

15.02.2011: 09:00 Uhr bis 13:00 Uhr

23.02.2011: 16:00 Uhr bis 18:00 Uhr

03.03.2011: 13:00 Uhr bis 17:30 Uhr

02.04.2011: Eröffnungsfeier

Flyer zum Weiterreichen und Ausdrucken und Verteilen

Beachten Sie auch den Plan der Biowerkstatt, Bildung und Projekte, Andrea Preißler-Abou El Fadil, Hannover. Es entsteht ein Bio-Alchimisten-Garten, u.a. mit der Produktion von Terra Preta.

Lesen Sie als Hintergrund-Information zu Terra Preta den Wandelwerte-Bericht vom 30.11.2010, “Schwarze Erde für Hannover” und die Terra Preta Information der Biowerkstatt.

Die Lebensmittelproduktion benötigt mehr Aufmerksamkeit

Das Projekt in Limmer umfasst die Wandelwerte-Ziele für den LebensWandel in der Stadt: Immobilien-Recycling, Urban Mining, regionale Wirtschaftskreisläufe, Terra Preta, Bildungsarbeit zu Konsumgewohnheiten, Lebensmittelproduktion, Schutz des Regenwaldes, Kunst und Kultur im öffentlichen Raum mit Recycling-Design und Veranstaltungen.

Es handelt sich dabei um ein experimentelles Themenpark-Projekt, mit dem vielseitige neue Erkenntnisse gewonnen werden. Sie sollen später in anderen Stadtteilen oder in anderen Städten als Erfolgsmethode angewendet werden.

Wichtig dabei: Der Küchengarten Limmer wird offen angelegt, d.h. Privatpersonen, Unternehmen, Vereine, Gebietskörperschaften erhalten die Möglichkeit, sich mit eigenen Projekten darzustellen. Im Rahmen eines freien ”Open Air-Labors” kann jedermann Versuchsanordnungen zur Urbanisierung von Brachflächen installieren.

Insgesamt erscheint es wichtig, die Entscheidungsträger in Wirtschaft und Gesellschaft mit bürgerschaftlichem Engagement zu unterstützen. Wandelwerte Hannover trägt mit seiner Beteiligung an regionalen Projekten dazu bei.

Die Aktionen an den Küchengärten Limmer ermöglichen, Informations- und Bildungsarbeit zu leisten. Wir sprechen über die Produktion von Lebensmitteln an diesem ungewöhnlichen Ort und in anderen Regionen der Welt. Dadurch erhalten wir die erforderliche Aufmerksamkeit für ein wichtiges Thema unserer Zeit.

Schwarze Erde für Hannover


Mehr „Grüne Städte“ sollte es in Zukunft geben, fordert die EU Kommission und hat dazu sogar den Preis der „Grünsten Stadt Europas“ ausgelobt. Stadtväter bewerben sich, und wenn die Aufmerksamkeit auf die richtigen Projekte gelenkt wird, bestehen sogar Chancen für einen Gewinn. Hamburg wird 2011 diesen Titel offiziell tragen.

Hannover hat es nicht nötig, an solchen Projekten teilzunehmen: Nachweislich und uneinholbar ist die Landeshauptstadt bereits seit Jahren die grünste Stadt Deutschlands. Zahlreiche Grünflächen, berechnete Eurostat, sorgen dafür, dass hier 56 Quadratmeter grüne Lunge je Einwohner zur Verfügung stehen. Hamburg bietet seinen Einwohnern nur 34 Quadratmeter und zeigt dadurch, wo noch viel Nachholbedarf erforderlich ist: in der Aufforstung.

Ein Hektar neuer Wald würde der Atmosphäre pro Jahr rund 10 Tonnen Kohlendioxid (CO2) entziehen. Das ist zwar ein guter Beitrag zum Klimaschutz, aber viel zu wenig, um sich entspannt zurücklehnen zu können.

Denn Waldflächen lassen sich nicht beliebig vermehren. Deshalb werden insbesondere für industriestarke Standorte neue Lösungen benötigt. Schließlich sind auch Städte gefordert, einen Wandel in der CO2-Emission herbeizuführen. Die Initiative Wandelwerte® aus Hannover beschäftigt sich seit ihrer Gründung 2003 mit Nachhaltigkeitslösungen. Was mit Workshops in kleinen Lebenskreisen begann, geht mit ihrem neuesten Projekt weit darüber hinaus: Drastische CO2-Absorbierungen sind möglich, von denen Forstwirte nur träumen können.

Das geschieht mit der Produktion von Terra Preta – eine Ackertechnik indigener Völker. Dank einer neuartigen Kompostierungstechnik kommt es zu umfangreicher Entstehung aktiver Erde. Pro Hektar Ackerboden kann mit der Spezialerde rund 250 Tonnen CO2 längerfristig gespeichert werden – das 25fache des Wertes für Wälder.

Eine Anreicherung von alten Böden mit dieser neuen Erde führt zu einer deutlichen Reduzierung des CO2-Gehaltes in der Atmosphäre. Solche BodenBildung in der Stadt wird möglich, indem Stadtrandlagen oder alte, unbebaute Industriebrache genutzt werden. Sogar für Balkone könnte eine massenhafte BodenBildung erreicht werden, wenn Wandelwerte in Multiplikatoren-Workshops die Wege dorthin aufzeigt. Industrielle Produktionsstellen sind denkbar.

Eckdaten für Terra Preta:

  • Erde mit anthropogenem Ursprung, von Menschen hergestellt und nicht in der Natur vorkommend
  • Im Gegensatz zur Kompostierung eine konservierende Methode, die Mikroorganismen erhält, weil die Prozesse bei niedrigen Temperaturen ablaufen
  • Erfolgsmethode: Ende 2007 beauftragte die Gemeinde Morbach eine vom rheinland-pfälzischen Umweltministerium geförderte Studie an das IfaS (Institut für angewandtes Stoffstrommanagement am Umweltcampus Birkenfeld). Diese Studie wurde von der Firma areal maßgeblich mitgestaltet und durchgeführt. http://www.das-gold-der-erde.de/index.php?id=5, http://www.stoffstrom.org
  • Es bestehen für Kleinhaushalte auch Erfahrungen mit Kaninchen- und Katzendung
  • Erforderlich: Bioaktive Holzkohle, die mit Pyrolyse gewonnen wird. Begutachtung und Zertifizierung durch CEB Energy, Hannover. http://ceb-energy.com/index.html
  • Ersatz für Torferde
  • Besseres Wasserhaltevermögen
  • Höhere Flächenproduktivität
  • Regionale Wertschöpfung durch Stoffstrom-Management
  • CO2-Speicherung und Absorbierung, ggf. für CO2-Gutschriften im Zertifikatehandel einsetzbar
  • Gilt als Startersubstanz, die gefüttert werden kann und wächst. 

2010 fanden erste Kooperationsgespräche statt, die wir 2011 weiter ausbauen wollen.

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